Stellen Sie sich vor, Ihr Heizungskostenzähler dreht sich wie verrückt, obwohl Sie die Heizung nicht höher stellen. Die Fenster sind dicht, die Wände sind isoliert - aber trotzdem bleibt es kalt in manchen Ecken. Was läuft falsch? Oft liegt es nicht an der Heizung, sondern an unsichtbaren Schwachstellen in Ihrer Haushülle: Wärmebrücken.

Wärmebrücken sind Stellen, an denen Wärme ungewollt nach außen entweicht. Sie entstehen dort, wo Materialien aufeinandertreffen: wo Wand auf Dach trifft, wo Fensterrahmen in die Außenwand eingebaut sind, oder wo Kabelkanäle und Rohrleitungen durch die Dämmung führen. Diese Stellen kühlen sich schneller ab als die umliegenden Flächen. Und das kostet Sie Geld - und Komfort.

Wie Thermografie Wärmebrücken sichtbar macht

Thermografie ist kein Zauberspruch, sondern eine einfache physikalische Methode: Jedes Objekt, das wärmer ist als der absolute Nullpunkt, strahlt Infrarotenergie ab. Eine Wärmebildkamera fängt diese unsichtbare Strahlung ein und verwandelt sie in ein farbiges Bild. Warme Bereiche leuchten rot oder gelb, kühle Stellen erscheinen blau oder schwarz. Wo die Wand normalerweise gleichmäßig warm sein sollte, aber plötzlich blau wird - da ist eine Wärmebrücke.

Die Kamera zeigt Ihnen nicht nur, wo es kalt ist, sondern auch, wie stark der Energieverlust ist. Ein roter Fleck an der Decke über dem Fenster? Das ist kein Mal, das ist ein Energieleck. Ein dunkler Streifen an der Außenwand? Das ist kein Schimmel - das ist Wärme, die entweicht.

Warum der Vor-Ort-Check so wichtig ist

Ein Thermografie-Bild von außen sagt Ihnen, wo Wärme nach draußen entweicht. Ein Bild von innen zeigt Ihnen, wo es kalt bleibt - und warum. Manche Stellen, die von außen gut aussehen, sind von innen voller Luftzug. Und umgekehrt: Eine Wand, die von innen warm erscheint, kann von außen eine massive Wärmebrücke haben, weil die Dämmung darunter fehlt.

Ein Vor-Ort-Check mit Thermografie ist kein Foto-Spaß. Es ist eine gezielte Untersuchung, die drei Dinge braucht: kalte Außenluft, warmes Innere und eine Kamera, die den Unterschied sieht. Die beste Zeit dafür ist ein kalter, trockener Tag im Winter - idealerweise mit mindestens 10 °C Temperaturdifferenz zwischen innen und außen. Wenn es draußen 0 °C ist und drinnen 20 °C, dann leuchten die Wärmebrücken wie Leuchttürme.

Was Sie bei der Aufnahme beachten müssen

Es reicht nicht, einfach mit der Kamera durchs Haus zu laufen. Sie brauchen Strategie.

  • Außenansichten: Fotografieren Sie alle Außenwände, besonders an Ecken, über Fenstern, an Dachüberständen und dort, wo sich Materialien wie Beton, Ziegel und Dämmstoffe treffen. Wärmebrücken entstehen oft an Übergängen.
  • Innenansichten: Suchen Sie nach kalten Flecken an Wänden, Decken und Fußleisten. Besonders auffällig sind Stellen, wo die Farbe abblättert oder sich Kondenswasser sammelt - das ist oft ein Zeichen für Feuchtigkeit, die durch Wärmebrücken entsteht.
  • Vermeiden Sie Sonneneinstrahlung: Sonne heizt Wände auf - das verfälscht die Messung. Nehmen Sie Aufnahmen am Morgen oder Abend, wenn die Sonne nicht direkt auf die Fassade scheint.
  • Stellen Sie die Heizung nicht ab: Die Kamera braucht Temperaturunterschiede. Wenn Sie die Heizung ausschalten, werden alle Wände gleich kalt - und Sie sehen nichts.

Die besten Ergebnisse erzielen Sie mit einer modernen Multispektralkamera. Sie erfasst nicht nur Temperatur, sondern auch Feuchtigkeit, Luftströmungen und sogar leichte Undichtheiten in Rohren. So erkennen Sie nicht nur, wo Wärme entweicht - sondern auch, warum.

Innere Wand mit kaltem blauem Streifen neben einem Fenster, während der Rest der Wand warm erscheint, Kondenswasser an der Tapete.

Was Thermografie alles aufdecken kann

Thermografie ist kein Einthemen-Tool. Sie zeigt Ihnen mehr, als Sie erwarten.

  • Wärmebrücken: Die Hauptaufgabe. Stellen, an denen Wärme schneller abfließt als an der Umgebung.
  • Feuchteschäden: Feuchte Stellen kühlen ab. Wo die Wand dunkelblau leuchtet, ist möglicherweise Feuchtigkeit im Mauerwerk - ein Risiko für Schimmel.
  • Zugluft: Kalte Luftströme von undichten Fenstern oder Türen zeigen sich als dunkle Linien entlang von Rahmen oder Fußböden.
  • Fehlerhafte Dämmung: Wenn eine Wand auf einem Bild warm ist, aber die Nachbarwand kalt, liegt die Dämmung vielleicht nur halb.
  • Heizungsleitungen: Warme Rohre, die durch kalte Räume führen, zeigen sich als helle Striche. Sind sie isoliert? Oder verlieren sie Wärme im Keller?

Ein Beispiel aus der Praxis: In einem Haus in Leoben zeigte die Thermografie einen hellen Streifen an der Decke über dem Treppenhaus. Die Bewohner dachten, es wäre ein Leck. Tatsächlich war es eine fehlende Dämmung zwischen Wohnraum und unbeheiztem Treppenhaus. Nachdem die Dämmung nachgerüstet wurde, sank der Heizenergieverbrauch um 18 %.

Thermografie vs. andere Methoden

Es gibt andere Wege, Energieverluste zu messen. Aber sie sind nicht so direkt.

Vergleich von Methoden zur Erkennung von Wärmebrücken
Methode Vorteil Nachteil
Thermografie Sofortige, visuelle Darstellung von Wärmebrücken über große Flächen Benötigt Temperaturunterschied; keine quantitative Messung ohne Kalibrierung
Blower-Door-Test Misst Luftdichtheit des gesamten Gebäudes Zeigt nicht, wo genau die Luft entweicht
U-Wert-Berechnung Rechnerische Bewertung der Dämmleistung Keine tatsächliche Messung; basiert auf Annahmen
Infrarot-Thermometer Einzelne Punktmessungen Kein Überblick; man verpasst viele Stellen

Thermografie ist die einzige Methode, die Ihnen zeigt, wo es leckt - und wie groß die Fläche ist. Keine andere Methode macht Energieverluste so greifbar.

Querschnitt eines Hauswalls mit verborgenen Wärmebrücken: fehlende Dämmung, metallischer Fensterrahmen und Luftzug durch undichte Stellen.

Was tun, wenn Sie Wärmebrücken finden?

Ein Bild allein löst das Problem nicht. Aber es ist der erste Schritt zur Lösung.

  • Kleine Risse oder undichte Fugen: Mit Dichtungsmasse oder Dämmband abdichten. Das kostet wenig, wirkt aber sofort.
  • Fehlende Dämmung an Wänden oder Dächern: Nachdämmen von innen oder außen. Hier lohnt sich eine fachkundige Beratung.
  • Feuchtigkeit im Mauerwerk: Nicht einfach abtrocknen - die Ursache muss beseitigt werden. Meist ist das eine Wärmebrücke, die Kondenswasser verursacht.
  • Alte Fenster: Wenn die Wärmebrücke am Fensterrahmen liegt, ist ein Austausch oft die beste Lösung. Moderne Dreifachverglasung reduziert den Verlust um 60 % gegenüber alten Einfachverglasungen.

Die Sanierung sollte immer auf die konkrete Stelle zugeschnitten sein. Eine pauschale Dämmung der ganzen Fassade ist oft teurer und weniger effektiv als gezielte Maßnahmen - besonders wenn Sie die Thermografie als Leitfaden nutzen.

Wann lohnt sich ein Thermografie-Check?

Wenn Sie:

  • Heizkosten haben, die nicht mehr zu erklären sind
  • an bestimmten Stellen im Haus Kälte spüren, obwohl die Heizung läuft
  • Feuchtigkeit oder Schimmel an Wänden oder Decken bemerken
  • vor einer Sanierung stehen und wissen wollen, wo es am dringendsten ist

Dann ist ein Thermografie-Check kein Luxus - er ist eine Investition. Eine gute Thermografie kostet zwischen 150 und 300 Euro. Die Einsparung durch gezielte Sanierungen liegt oft bei mehr als 1.000 Euro pro Jahr.

Und es gibt Förderungen. In Österreich gibt es für solche Untersuchungen und anschließende Sanierungen Zuschüsse von bis zu 40 % über das Ökofonds-Programm. Die Thermografie selbst ist oft förderfähig - besonders wenn sie vor einer Sanierung durchgeführt wird.

Was Sie nicht erwarten sollten

Thermografie ist kein Wundermittel. Sie sagt Ihnen nicht:

  • Wie dick die Dämmung ist
  • Ob das Mauerwerk brüchig ist
  • Ob die Heizung richtig eingestellt ist

Es ist ein Werkzeug - kein Diagnosegerät. Aber es ist das beste Werkzeug, das Sie haben, um zu sehen, was Ihre Wände wirklich tun.

Kann ich eine Thermografie selbst machen?

Sie können eine Wärmebildkamera mieten - aber ohne Erfahrung liefern die Bilder oft falsche oder irreführende Ergebnisse. Die Kamera muss richtig eingestellt werden, die Umgebung muss passen, und die Bilder müssen interpretiert werden. Ein Fachmann erkennt sofort, ob es sich um eine echte Wärmebrücke handelt oder nur um eine Reflexion oder eine Störung. Für eine verlässliche Aussage ist ein Profi die bessere Wahl.

Ist Thermografie schädlich?

Nein. Die Kamera empfängt nur die natürliche Infrarotstrahlung des Gebäudes. Sie sendet nichts aus. Es ist wie ein Foto mit normalem Licht - nur mit Wärme statt mit Farbe. Keine Strahlung, keine Gefahr. Die Methode ist völlig sicher für Mensch und Tier.

Wann ist die beste Jahreszeit für eine Thermografie?

Am besten zwischen November und Februar, wenn es draußen unter 5 °C ist und drinnen mindestens 18 °C. Dann ist der Temperaturunterschied groß genug, um Wärmebrücken klar zu erkennen. Im Frühling oder Herbst, wenn es draußen warm ist, sind die Unterschiede zu gering - die Kamera zeigt dann kaum etwas.

Kann Thermografie Schimmel erkennen?

Nicht direkt. Aber sie zeigt kalte Stellen, an denen sich Kondenswasser bildet - und das ist der Hauptgrund für Schimmel. Wo die Wand kalt ist, ist die Luftfeuchtigkeit hoch. Thermografie zeigt also die Ursache, nicht den Schimmel selbst. Nach der Untersuchung wissen Sie genau, wo Sie abtrocknen und dämmen müssen.

Wie lange dauert ein Vor-Ort-Check?

Bei einem Einfamilienhaus dauert es etwa 2 bis 4 Stunden. Das beinhaltet Aufnahmen von innen und außen, eine kurze Besprechung der Ergebnisse und einen schriftlichen Bericht mit markierten Bildern. Der Bericht ist Ihr Leitfaden für alle folgenden Sanierungsmaßnahmen.

Wenn Sie Ihre Heizkosten senken, Ihr Zuhause wohler machen und gleichzeitig die Umwelt schonen wollen - dann ist Thermografie der einfachste Weg, um zu sehen, wo es wirklich leckt. Es ist kein Geheimnis. Es ist Physik. Und mit der richtigen Technik wird es sichtbar.