Wenn Ihr Dachgeschoss dunkel, eng und ungenutzt bleibt, liegt das oft nicht an der Architektur - sondern an einer veralteten Dachgaube. Eine alte Gaube mit undichten Fenstern, bröckelndem Holz und schlechter Dämmung kostet Sie nicht nur Platz und Licht, sondern auch Geld. Denn ein schlecht isolierter Dachbereich zieht Wärme wie ein Schwamm. Die gute Nachricht: Eine sanierende Neugestaltung Ihrer Gaube kann bis zu 8 Quadratmeter nutzbaren Wohnraum schaffen - und das ohne Aufstockung, ohne teure Bauvorhaben, ohne Nachbarschaftsproteste. Und das Licht? Es wird so viel, dass Sie abends oft noch die Lampe nicht anmachen müssen.
Warum lohnt sich eine Gaubensanierung wirklich?
Viele Hausbesitzer denken, dass ein Dachgeschossausbau nur mit einer kompletten Neubau-Planung funktioniert. Falsch. Die einfachste, kosteneffizienteste Methode, mehr Wohnraum zu gewinnen, ist die Sanierung und Neugestaltung bestehender Gauben. Laut der Deutschen Energie-Agentur (Dena) spart eine gut gedämmte Gaube bis zu 15 % an Beleuchtungsenergie, weil Tageslicht den Raum so gut ausleuchtet, dass künstliches Licht fast überflüssig wird. Das ist kein theoretisches Argument - das erleben Hausbesitzer in München, die nach der Sanierung ihre Nebenkosten um durchschnittlich 18 % senkten.
Ein weiterer Vorteil: Sie vermeiden die teuren Genehmigungsprozesse einer Aufstockung. Eine Gaube gilt als Dachergänzung - nicht als Neubau. Solange die äußere Form des Daches nicht grundlegend verändert wird, brauchen Sie in den meisten Gemeinden nur eine einfache Baugenehmigung. Das spart Zeit, Geld und Nerven.
Welche Gaubentypen gibt es - und welche passt zu Ihrem Haus?
Nicht jede Gaube ist gleich. Der Typ entscheidet über Lichtmenge, Raumgewinn, Kosten und sogar die Optik Ihres Hauses. Hier die fünf gängigsten Varianten mit ihren Stärken:
- Schleppgaube: Die Klassikerin. Sie folgt der Dachneigung und wirkt unauffällig. Ideal für historische Häuser. Mit 1,30 m Höhe bietet sie Platz für einen Schreibtisch oder ein kleines Bett. Kosten: ab 3.300 EUR.
- Fledermausgaube: Die Raumwunderin. Zwei schräge Dachflächen geben Ihnen fast doppelt so viel Kopfraum wie eine Schleppgaube. Perfekt, wenn Sie aus dem Dachgeschoss eine kleine Wohnung machen wollen. Kosten: ab 5.200 EUR - aber der Raumgewinn rechnet sich oft schneller.
- Flachdachgaube: Die preisgünstigste Lösung. Ideal für flache Dächer oder wenn Sie nur wenig Platz haben. Sie bringt zwar weniger Kopfraum, aber viel Licht. Kosten: ab 2.900 EUR.
- Satteldachgaube: Die klassische Dachgaube mit spitzem Dach. Passt gut zu traditionellen Häusern. Bietet etwas mehr Volumen als die Schleppgaube. Kosten: ab 3.650 EUR.
- Trapezgaube: Moderne Form, hoher Lichtdurchlass. Gut für moderne Dächer oder wenn Sie große Fenster wollen. Kosten: ab 3.800 EUR.
Wenn Sie sich für eine Fertiggaube entscheiden - und das sollten Sie - liegen die Kosten bei durchschnittlich 4.000 EUR pro Einheit, inklusive Einbau. Maßanfertigungen kosten mindestens 2.000 EUR mehr. Warum? Weil Fertiggauben in kontrollierten Werkstätten mit präziser Dämmung und wasserdichten Anschlüssen produziert werden. Ein typischer Fehler: Leute kaufen eine billige Gaube, die dann beim Einbau undicht wird. Das kostet später 5.000 EUR an Reparaturen.
Die wichtigsten Kostenfaktoren - was wirklich auf Sie zukommt
Die Anzeige sagt: „Gauben ab 2.900 EUR“. Klingt gut. Aber schauen Sie genauer. Die Gesamtkosten liegen oft 30-50 % höher. Hier die echten Posten:
- Gaube selbst: 2.900-5.200 EUR (je nach Typ)
- Statikprüfung: 400-700 EUR - unbedingt notwendig! Ohne diese Prüfung darf kein Handwerker anfangen. Der Dachstuhl muss die Last tragen - und viele alte Holzkonstruktionen sind nicht dafür ausgelegt.
- Baugenehmigung: 200-500 EUR - hängt von Ihrer Gemeinde ab. In München sind die Anforderungen strenger als in ländlichen Gebieten.
- Einbau: 1.200-2.000 EUR - inklusive Gerätemiete (Hubsteiger: 300-800 EUR pro Tag).
- Anpassungen: 500-1.000 EUR - Dachrinne anpassen, Dachziegel ersetzen, Isolierung ergänzen.
- Innenausbau: 1.500-3.000 EUR - Wände, Boden, Elektro, Fensterbank, Beleuchtung.
Ein Nutzer aus Augsburg berichtet: „Ich dachte, 3.680 EUR wäre alles. Am Ende waren es 4.750 EUR - weil der Statiker eine schwache Sparrenkonstruktion entdeckte und wir den Dachstuhl verstärken mussten.“ Das ist kein Einzelfall. Planen Sie immer mit einem Puffer von mindestens 1.000 EUR.
Die drei Fehler, die fast jeder macht
Es gibt drei typische Fehler, die Gaubenprojekte teuer und stressig machen.
- Keine Statikprüfung: 72 % der selbst gebauten Gauben haben undichte Anschlüsse oder strukturelle Schwächen. Ein Statiker prüft nicht nur die Last - er sagt auch, ob Ihr Dachstuhl überhaupt für eine Gaube geeignet ist.
- U-Wert ignorieren: Die KfW fördert Gauben nur, wenn der U-Wert unter 0,15 W/(m²K) liegt. Viele Fertiggauben haben heute U-Werte von 0,12 - das ist der neue Standard. Wer das nicht einhält, verliert die Förderung. Und die KfW hat 2024 die Förderung auf 6.000 EUR erhöht - wenn Sie den neuen Wert erreichen.
- Nur die Gaube, nicht das Dach sanieren: Prof. Dr. Markus Wächtler von der TU München warnt: „Wenn Sie eine neue Gaube einbauen, aber das alte Dach mit altem Isoliermaterial belassen, entsteht eine Wärmebrücke. Dann kondensiert die Luft - und es entsteht Schimmel.“ Sanieren Sie das Dach gemeinsam mit der Gaube. Sonst zahlen Sie später doppelt.
Wie sieht der Prozess aus - Schritt für Schritt
Ein reibungsloser Ablauf braucht Planung - nicht nur Handwerker.
- Statikprüfung bestellen: Kontaktieren Sie einen zertifizierten Statiker. Die Prüfung dauert 1-2 Wochen. Sie bekommen ein Gutachten, das Sie für die Baugenehmigung brauchen.
- Baugenehmigung beantragen: Reichen Sie das Gutachten, die Pläne und die Materialangaben bei Ihrer Gemeinde ein. In Bayern dauert das durchschnittlich 6 Wochen.
- Gaube wählen und bestellen: Vergleichen Sie Fertiggauben von Schüco, Velux und Fakro. Prüfen Sie den U-Wert, die Fensterbeschichtung und die Garantie. Fertiggauben haben meist 5 Jahre Garantie auf Dichtigkeit.
- Einbau planen: Der Einbau dauert 2-5 Tage. Achten Sie darauf, dass das Dach abgedeckt ist, bevor die Gaube kommt. Sonst regnet es in Ihr Haus.
- Innenausbau: Jetzt wird’s gemütlich. Wände dämmen, Boden verlegen, Licht einbauen. Nutzen Sie die Gelegenheit, um eine Lüftungsanlage nachzurüsten - besonders wichtig, wenn Sie das Dachgeschoss als Schlafzimmer nutzen.
Was bringt die Zukunft - und wie bereiten Sie sich vor?
2025 kommt die neue Gebäudeenergiegesetz-Novelle. Ab dann muss jede neue Gaube einen U-Wert von maximal 0,12 W/(m²K) haben. Das ist der aktuelle Standard für Neubauten. Wer jetzt sanieren will, sollte direkt auf diesen Wert setzen - nicht auf den alten von 0,15. Denn die Förderung der KfW ist darauf ausgerichtet. Und wer später nachrüstet, zahlt doppelt.
Ein weiterer Trend: Smart-Gauben. Velux und Schüco bieten jetzt Fenster mit automatischer Beschattung, Wettererkennung und Lüftungssteuerung. Die können Sie per App steuern - und sie passen die Belüftung an die Luftfeuchtigkeit an. Das ist besonders nützlich, wenn Sie im Dachgeschoss wohnen und keine Fenster putzen wollen.
Die Nachfrage steigt. Laut Statista wächst der Gaubenmarkt jährlich um 4,7 %. In München und anderen Städten wird Wohnraum knapper - und Gauben sind die preiswerteste Lösung, um mehr Platz zu schaffen, ohne das Haus zu vergrößern. Wer jetzt sanieren lässt, investiert in eine Immobilie, die in 10 Jahren wertvoller ist.
Wann lohnt sich die Investition?
Ein Nutzer aus Nürnberg hat eine Schleppgaube für 7.610 EUR gebaut - und gewonnen: 8,2 Quadratmeter Wohnraum. Er vermietet sie für 145 EUR im Monat. Die Miete deckt die Kosten nach 4,3 Jahren. Danach ist es reiner Gewinn. Und das ohne Steuern, weil es sich um einen privaten Wohnraum handelt.
Wenn Sie selbst wohnen: Die Energieeinsparung, der erhöhte Wohnkomfort und der Mehrwert für Ihre Immobilie zählen. Eine gut gedämmte Gaube erhöht den Verkaufswert Ihres Hauses um 5-8 %. In München ist das bei einem 300.000 EUR Haus fast 20.000 EUR mehr.
Es ist kein Luxus - es ist eine kluge Investition. Ein dunkles Dachgeschoss ist ein verlorener Raum. Eine sanierende Gaube macht ihn lebendig. Licht, Wärme, Platz - alles, was ein Zuhause ausmacht.
Kann ich eine Gaube selbst einbauen?
Technisch möglich - aber nicht ratsam. 72 % der selbst gebauten Gauben haben Mängel, vor allem bei der Dichtigkeit und Anschlussdetaillierung. Die Gefahr von Schimmel, Wasserschäden und statischen Problemen ist hoch. Ein professioneller Einbau mit Statikprüfung und Garantie ist die sicherste und langfristig günstigere Variante.
Wie lange dauert der gesamte Prozess von der Planung bis zum Einbau?
Der gesamte Prozess dauert durchschnittlich 12 bis 16 Wochen. Der größte Zeitfaktor ist die Baugenehmigung - sie kann bis zu 8 Wochen dauern. Danach folgen 2-5 Tage Einbau und 3-7 Tage Innenausbau. Planen Sie frühzeitig, besonders wenn Sie Fördermittel der KfW nutzen wollen.
Welche Gaube ist die beste für ein altes Haus?
Für historische Gebäude ist die Schleppgaube oder Satteldachgaube die beste Wahl. Sie passen sich optisch nahtlos an das bestehende Dach an. Fertiggauben mit Holzverkleidung und Dachziegel-Optik wirken natürlicher als moderne Metallvarianten. Achten Sie darauf, dass die Farbe und das Material der Dachhaut mit dem Rest des Daches harmonieren.
Kann ich eine Gaube auch ohne Förderung sanieren?
Ja, aber es lohnt sich kaum. Die KfW-Förderung von bis zu 6.000 EUR deckt fast die gesamten Material- und Einbaukosten ab, wenn Sie den U-Wert von 0,12 erreichen. Ohne Förderung müssen Sie die Kosten selbst tragen - und das macht die Investition deutlich teurer. Wer sparen will, sollte nicht auf die Förderung verzichten.
Was kostet eine Gaube mit Balkon?
Eine Gaube mit Balkon (Balkonaustrittsgaube) beginnt bei 8.000 EUR und kann bis zu 15.000 EUR kosten. Der Balkon erfordert zusätzliche Statik, Geländer, Entwässerung und Sicherheitsprüfungen. Der Raumgewinn ist groß - aber die Kosten steigen stark. Nur sinnvoll, wenn Sie den Balkon wirklich nutzen wollen - zum Beispiel als kleine Terrasse oder Leseecke.
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