Ein Doppelflügel-Fenster im Altbau sieht schön aus - das ist klar. Aber wenn es quietscht, Zugluft hat und die Heizkosten in die Höhe schnellen, ist Schönheit keine Lösung mehr. Viele Häuser in Deutschland, die vor 1970 gebaut wurden, haben noch ihre ursprünglichen Doppelflügel-Fenster. Laut der Deutschen Energie-Agentur (DENA) sind das über 78% aller solcher Gebäude. Doch diese Fenster haben einen U-Wert von 2,8 bis 3,2 W/(m²K). Moderne Standards verlangen aber unter 1,3 W/(m²K). Das bedeutet: Ohne Sanierung verpufft fast die Hälfte der Wärme durch die Fenster.

Warum Beschläge und Dichtung die entscheidenden Teile sind

Bei der Sanierung von Doppelflügel-Fenstern geht es nicht darum, das ganze Fenster rauszuschmeißen. Es geht um die beiden Teile, die wirklich funktionieren: die Beschläge und die Dichtung. Die Beschläge halten den Flügel in Position, lassen ihn öffnen und schließen - und tragen sein Gewicht. Ein alter Holzflügel wiegt zwischen 25 und 35 Kilogramm. Moderne Beschläge aus Stahl oder Messing, die für Altbauten entwickelt wurden, müssen das aushalten, ohne zu brechen oder sich zu verziehen. Die Dichtung dagegen sorgt dafür, dass Luft, Regen und Kälte draußen bleiben. Alte Filzleisten oder einfache Gummis sind oft nur 40 bis 60% dicht. Moderne dreifach wirkende Systeme erreichen 98 bis 99%.

Wenn du nur die Dichtung wechselst, aber die Beschläge alt und verschlissen bleiben, wirst du bald wieder Probleme haben. Der Flügel hängt schief, die Dichtung wird ungleichmäßig gedrückt - und schon ist die Luftdichtheit wieder weg. Umgekehrt: Neue Beschläge mit alten Dichtungen? Das bringt nichts. Die Dichtung muss perfekt sitzen, sonst nützt der beste Beschlag nichts.

Was für Beschläge passen in den Altbau?

Nicht jeder Beschlag passt zu jedem Fenster. Bei Doppelflügel-Fenstern im Altbau sind vor allem drei Typen üblich: Stulpbeschläge, Pendelbänder und klassische Scharniere. Die meisten Originalbeschläge sind aus massivem Messing oder Stahl. Sie sehen gut aus, aber sie sind oft abgenutzt, verrostet oder verkratzt. Manche lassen sich restaurieren - wenn die Teile noch intakt sind. Aber oft ist ein Austausch die bessere Wahl.

Die RAL-Richtlinie 614/1 (2022) verlangt, dass Beschläge mindestens der Widerstandsklasse RC2 entsprechen. Das bedeutet: Sie müssen mindestens 300 Newton Kraft aushalten, ohne aufgebrochen zu werden. Moderne Beschläge wie das Roto NT GE6 Historic ist ein speziell für Altbau-Doppelflügel-Fenster entwickeltes Beschlagsystem mit historischem Aussehen und moderner Tragfähigkeit sind dafür gemacht. Sie haben eine Tragfähigkeit von bis zu 45 kg pro Band - mehr als genug für schwere Holzflügel. Und sie sind verstellbar. Das ist entscheidend. Denn in Altbauten sind die Fensterlaibungen fast nie gerade. Wenn die Beschläge nicht justierbar sind, hängt der Flügel schief. Dann drückt eine Seite zu fest auf die Dichtung, die andere gar nicht - und es zieht.

Die Deutsche Gesellschaft für Holztechnologie (DGfH) empfiehlt in ihrer Leitlinie Nr. 114/2023 explizit Pendelbänder der Klasse 6 mit mindestens 40 kg Tragkraft. Das ist kein Luxus - das ist Pflicht, wenn du langfristig keine Probleme haben willst. Marktführer wie Roto Frank AG, Siegenia und Winkhaus bieten spezielle Lösungen für Altbauten an. Die Preise liegen zwischen 150 und 300 Euro pro Beschlagsatz. Originale, restaurierte Beschläge kosten bis zu 30% mehr. Aber sie sehen authentisch aus - und das zählt, wenn dein Haus denkmalgeschützt ist.

Querschnitt eines sanierten Fensters mit dreifacher Dichtungsschicht in Holzrahmen.

Dichtung: Der unsichtbare Helfer

Die Dichtung ist das unsichtbare, aber entscheidende Element. Viele Sanierer denken: „Einfach eine neue Gummileiste reinstecken - fertig.“ Doch bei Doppelflügel-Fenstern ist das ein Fehler. Die Dichtung muss genau positioniert sein. Laut Dipl.-Ing. Sarah Müller, Autorin des Standardwerks „Altbausanierung Fenster“, muss die Hauptdichtung immer in der Mitte der Flügel liegen. Warum? Weil Holz sich mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausdehnt und zusammenzieht. Wenn die Dichtung zu nah am Rahmen ist, drückt sie zu stark, wenn sie zu weit draußen liegt, bleibt eine Lücke.

Modernen Sanierungen setzt man dreifach wirkende Dichtungssysteme ein: innen eine luftdichte Dichtung, in der Mitte eine wärmedämmende, und außen eine schlagregendichte. Diese Systeme erreichen eine Dichtigkeit von fast 100%. Die Härte der Dichtung ist entscheidend: Für die Innenseite wählt man Shore 50-60, für die Außenseite Shore 65-75. Das sorgt dafür, dass die Dichtung bei kaltem Wetter nicht brüchig wird und bei warmer Luft nicht zu weich wird.

Ein häufiger Fehler? Die Laibung nicht richtig vorbereiten. In 65% der Altbauten sind die Fensterlaibungen schief, uneben oder haben alte Putzreste. Wenn du die neue Dichtung einfach auf diesen Unebenheiten anbringst, sitzt sie nicht richtig. Die Firma Fenster Krämer aus München berichtet: In 70% der Fälle müssen sie die Laibung vorher ausputzen. Das kostet Zeit - und etwa 30-40% mehr Geld. Aber ohne diese Vorbereitung ist jede Dichtung sinnlos. Die ift Rosenheim warnt: In 37% aller Fehlerfälle liegt die Ursache in unvollständiger Reinigung der Laibung.

Die richtige Schritt-für-Schritt-Methode

Sanieren ist kein DIY-Projekt für Anfänger. Aber mit der richtigen Vorbereitung geht es. Hier ist der Weg, den Profis in München und anderswo nutzen:

  1. Bestandsaufnahme: Öffne beide Flügel. Prüfe die Beschläge auf Rost, Brüche, Spiel oder Verzerrung. Notiere, welcher Flügel häufiger benutzt wird - der wird meist stärker abgenutzt.
  2. Laibung vorbereiten: Entferne alten Putz, Staub, alte Dichtungen und Farbreste. Nutze einen feinen Schleifer oder einen Kratzer. Die Fläche muss glatt und eben sein - Toleranz: max. 0,5 mm pro Meter Rahmenlänge.
  3. Beschläge entfernen: Markiere die Bohrlöcher. Entferne die alten Beschläge vorsichtig, damit du die Löcher nicht verbreiterst. Wenn du sie restaurieren willst, reinige sie mit Rostentferner und öle sie danach mit speziellem Beschlagsöl.
  4. Neue Beschläge montieren: Nutze verstellbare Pendelbänder (z. B. Roto GE6 Historic). Befestige sie mit den originalen Bohrlöchern, wenn möglich. Falls nicht: Bohre neue Löcher mit max. 4 mm Durchmesser. Ziehe die Schrauben nicht zu fest - in 22% der Fehlerfälle ist das die Ursache für Verformung.
  5. Dichtung anbringen: Wähle ein dreifach wirkendes System mit korrekter Härte. Schneide die Dichtung exakt auf die Flügel- und Rahmenlänge zu. Klebe sie nicht - setze sie in die Nut ein. Prüfe, ob beide Flügel gleichmäßig auf die Dichtung drücken. Nutze einen Dichtungsprüfer oder einfach ein Blatt Papier: Wenn du es zwischen Flügel und Rahmen ziehen kannst, sitzt die Dichtung nicht richtig.
  6. Justieren: Öffne und schließe den Flügel mehrmals. Prüfe, ob er gleichmäßig läuft, keine Kante scheuert und keine Zugluft spürbar ist. Verstelle die Beschläge, bis beide Flügel perfekt synchron arbeiten.
Vergleich: altes Fenster mit Zugluft links, saniertes Fenster mit Luftdichtheit rechts.

Kosten, Vorteile und Nachteile im Vergleich

Eine Komplettsanierung eines Doppelflügel-Fensters (120 x 140 cm) mit neuen Beschlägen und Dichtung kostet zwischen 850 und 1.200 Euro. Das ist teurer als eine einfache Dichtung, aber günstiger als ein kompletter Fensteraustausch, der bei 1.800 bis 2.500 Euro liegt. Aber es gibt einen Haken: Die Amortisationszeit.

Bei einem nicht denkmalgeschützten Altbau lohnt sich die Sanierung oft nicht. Die Energieberatung Bremen hat berechnet: Bei Sanierung brauchst du 12,7 Jahre, um die Kosten durch Energieeinsparungen wieder hereinzuholen. Beim Neuaustausch mit modernen Isolierfenstern sind es nur 9,3 Jahre. Warum? Weil neue Fenster einen U-Wert von 0,75-0,95 W/(m²K) haben - sanierte Doppelflügel-Fenster schaffen nur 1,0-1,3 W/(m²K). Das ist besser als vorher, aber nicht so gut wie neu.

Die Vorteile der Sanierung sind klar: Du erhältst die historische Substanz. In denkmalgeschützten Gebäuden ist das gesetzlich vorgeschrieben. Ein Urteil des Verwaltungsgerichts München vom Februar 2023 bestätigte: Wer ein denkmalgeschütztes Fenster austauscht, ohne Sanierung zu versuchen, handelt rechtswidrig. Außerdem: Die Optik bleibt original - und das ist unbezahlbar, wenn du ein Haus mit historischem Charme bewohnst.

Die Nachteile? Die Luftdichtheit ist geringer. Messungen vom ift Rosenheim zeigen: Sanierte Doppelflügel-Fenster haben einen Luftwechsel von 0,8-1,2 h⁻¹. Neue Fenster schaffen 0,3-0,5 h⁻¹. Das bedeutet: Du brauchst mehr Lüftung, sonst wird es feucht. Und die Wartung ist aufwendiger. Beschläge müssen alle zwei bis drei Jahre geölt werden. Dichtungen müssen alle 5-7 Jahre kontrolliert werden. Wer das nicht macht, hat bald wieder Zugluft.

Was tun, wenn du unsicher bist?

Wenn du nicht weißt, ob Sanierung oder Austausch die bessere Wahl ist, frage dich drei Dinge:

  • Ist das Gebäude denkmalgeschützt? → Dann musst du sanieren.
  • Stimmt die Form der Laibung? Wenn sie stark schief ist, wird die Sanierung teuer und aufwendig.
  • Wie viel Energie sparen willst du? Wenn du unter 10 Jahren Amortisation willst, ist Neuaustausch die klügere Wahl.

Wenn du dich für Sanierung entscheidest, hole dir einen Fachmann. Nicht jeder Fensterbauer kennt sich mit Doppelflügel-Fenstern aus. Frag nach Erfahrung mit RAL-Richtlinien und Pendelbändern der Klasse 6. Schaue dir Bewertungen an - wie die von Fenster Krämer in München mit 4,7 von 5 Sternen aus 142 Bewertungen.

Die Zukunft? Die Sanierung von Doppelflügel-Fenstern wird immer mehr zum Nischenmarkt. Der Bundesverband Flachglas sagt: 2020 waren 18% aller Altbau-Fenstersanierungen Doppelflügel-Fenster. 2024 waren es nur noch 12%. Bis 2030 könnte dieser Anteil unter 8% sinken. Aber für die, die ihre historischen Fenster behalten wollen - die Sanierung ist die einzige echte Option. Und mit den richtigen Beschlägen und Dichtungen funktioniert sie heute besser als je zuvor.

Kann ich alte Beschläge einfach restaurieren oder muss ich sie ersetzen?

Das hängt vom Zustand ab. Wenn die Beschläge aus massivem Messing oder Stahl sind, keine Risse haben und nur leicht verrostet sind, kannst du sie restaurieren: mit Rostentferner, Bürste und speziellem Beschlagsöl. Aber wenn sie gebrochen, verbogen oder stark verschlissen sind - ersetze sie. Moderne verstellbare Pendelbänder wie Roto GE6 Historic halten mehr Gewicht und sind langlebiger. Restauration ist nur sinnvoll, wenn du denkmalgeschützte Optik bewahren musst.

Warum zieht es trotz neuer Dichtung noch?

Die häufigste Ursache ist eine unebene Laibung. Die Dichtung sitzt nicht gleichmäßig, weil der Rahmen nicht gerade liegt. Auch falsche Dichtungshärte oder falsche Montageposition (nicht in der Mitte des Flügels) führen zu Lecks. Prüfe, ob beide Flügel gleichmäßig auf die Dichtung drücken. Ein einfacher Test: Ein Blatt Papier zwischen Flügel und Rahmen - wenn du es leicht ziehen kannst, ist die Dichtung nicht dicht.

Ist eine Sanierung bei einer Denkmalschutz-Liste verpflichtend?

Ja, in den meisten Fällen. Wenn dein Gebäude in einer Denkmalliste steht, darfst du die Fenster nicht einfach austauschen. Du musst zuerst versuchen, sie zu sanieren - mit modernen Beschlägen und Dichtungen, aber ohne das historische Aussehen zu verändern. Ein Urteil des Verwaltungsgerichts München vom 5. Februar 2023 bestätigt: Ein kompletter Austausch ist rechtswidrig, wenn eine Sanierung möglich ist.

Welche Beschläge sind die besten für schwere Holzflügel?

Verstellbare Pendelbänder der Klasse 6 mit mindestens 40 kg Tragkraft pro Band. Modelle wie Roto NT GE6 Historic oder Siegenia S2000 Historic sind speziell für schwere Altbau-Fenster entwickelt. Sie haben eine höhere Tragfähigkeit als Standardbeschläge, sind verstellbar und sehen historisch aus. Vermeide einfache Scharniere - sie halten das Gewicht nicht lange und verziehen sich.

Wie oft muss ich die Dichtung und die Beschläge warten?

Die Dichtung soll alle 5-7 Jahre kontrolliert werden - besonders nach kalten Wintern. Bei Rissen, Verhärtung oder Verformung muss sie ausgetauscht werden. Beschläge brauchen jährlich eine kleine Pflege: Reinigen mit trockener Bürste und leichtes Einölen mit speziellem Beschlagsöl. Das verhindert Rost und Quietschen. Wer das nicht macht, hat nach 2-3 Jahren wieder Probleme - besonders bei Feuchtigkeit.

Kann ich die Sanierung selbst machen?

Mit Erfahrung und Zeit ja - aber nur, wenn du die Laibung eben machen kannst und die richtigen Werkzeuge hast. Die Montage der Beschläge erfordert Präzision: Jede Abweichung von 0,5 mm pro Meter führt zu schiefem Lauf. Die Dichtung muss exakt in der Mitte sitzen. Wer das nicht beherrscht, macht Fehler, die teurer sind als ein Profi. Wenn du unsicher bist - hol dir Hilfe. Ein falsch sanierter Flügel kostet mehr als ein neuer.